200.000 Tiere zur Seuchenbekämpfung getötet

Anfrage im Kreistag zeigt erschreckendes Ergebnis und fehlgeleitete Debatte

Die Antwort auf unsere Anfrage im Kreistag Märkisch-Oderland macht deutlich, wie verzerrt die öffentliche Debatte über Nutztierverluste oft geführt wird. Zwischen März 2025 und Februar 2026 mussten im Landkreis insgesamt 194.076 Geflügeltiere aufgrund der Vogelgrippe (Aviäre Influenza) gekeult werden. Diese Zahl ist erschütternd und zeigt das enorme Ausmaß, das Töten von Tieren durch Seuchen inzwischen hat. Demgegenüber stehen 104 Nutztiere – überwiegend Schafe –, die im selben Zeitraum durch Wolfsrisse geschädigt wurden. Für diese Verluste wurden insgesamt lediglich 9.346,19 Euro an Entschädigungen ausgezahlt.

Diese Gegenüberstellung macht deutlich: Während Wolfsrisse häufig im Zentrum politischer und medialer Debatten stehen, sind die tatsächlichen Hauptursachen für massiver Schäden der Nutztierhaltung struktureller Natur – und liegen im System der industriellen Tierhaltung. Die wirtschaftlichen Schäden durch die Keulung von fast 200.000 Tieren dürften in die Millionen gehen, auch wenn dem Landkreis hierzu keine konkreten Zahlen vorliegen. Getragen werden diese Kosten letztlich von der Allgemeinheit über die Tierseuchenkasse aber auch den Steuerzahler. Gleichzeitig zeigt sich ein Ungleichgewicht bei den Entschädigungen: Während Geflügelhalter bei Seuchenfällen umfassend entschädigt werden können, sind die Mittel für Weidetierhalter nach Wolfsrissen vergleichsweise gering und zudem an Voraussetzungen wie funktionierenden Herdenschutz gebunden.

Ideologische Debatte über den Wolf falscher Fokus

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Die Zahlen legen ein grundlegendes Problem offen: Massentierhaltung erhöht das Risiko für die Ausbreitung von Krankheiten erheblich. Wo viele Tiere auf engem Raum gehalten werden, können sich Viren wie das H5N1-Virus besonders schnell verbreiten. Hinzu kommt, dass die Tiere in solchen Systemen oft genetisch sehr ähnlich sind und damit weniger Widerstandskraft gegen Krankheiten besitzen. Große Stallanlagen wirken so wie Beschleuniger für Seuchengeschehen. Gleichzeitig begünstigen globalisierte Lieferketten und Tiertransporte die Einschleppung von Krankheitserregern. Kommt es dann zu einem Ausbruch, bleibt häufig nur eine radikale Maßnahme: die Tötung ganzer Bestände – auch gesunder Tiere.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die ideologische Debatte über den Wolf, ein Ablenkungsmanöver von den großen Herausforderungen ist. Wenn wir Tierleid, wirtschaftliche Schäden und auch gesundheitliche Risiken für den Menschen ernsthaft reduzieren wollen, braucht es einen grundlegenden Wandel in der Massentierhaltung. Dazu gehört, Tierbestände zu reduzieren und die Haltungsbedingungen deutlich zu verbessern, sodass Tiere mehr Platz und bessere Lebensbedingungen erhalten. Regionale Wirtschaftskreisläufe und kürzere Transportwege können helfen, das Einschleppungsrisiko von Krankheiten zu senken. Gleichzeitig müssen öffentliche Fördermittel gezielt in den Umbau der Tierhaltung fließen, hin zu tiergerechten und nachhaltigen Betrieben statt zu immer größeren Anlagen.

Nicht zuletzt braucht es auch eine stärkere Unterstützung für Weidetierhalterinnen und -halter. Schäferinnen und Schäfer leisten einen wichtigen Beitrag zum Natur- und Landschaftsschutz und dürfen mit den Folgen von Wolfsrissen nicht allein gelassen werden. Faire Entschädigungen und eine verlässliche Förderung von Herdenschutzmaßnahmen sind hier unerlässlich. TR